Interview happy-end-buecher.de
04. Mai 2010

Frage und Antwort

(Interview: NG)

Liebe Caren Benedikt, erzählen Sie unseren Lesern zunächst ein wenig über sich. Was hat in Ihnen den Wunsch geweckt, Geschichten zu erzählen und aufzuschreiben?

Das ging bei mir schon ganz früh los, noch bevor ich eingeschult wurde. Ich liebte es, wenn meine Oma mir Gute-Nacht-Geschichten vorlas. Und wenn mir das Ende nicht gefiel, habe ich einfach einen neuen Schluss erfunden. Oder ich erfand in diesen ruhigen Abendstunden eigene Geschichten und erzählte sie dann. Später, als ich schreiben konnte, erschuf ich in meiner Fantasie kleine Helden, die die verrücktesten Abenteuer bestehen mussten.

Sie haben die Stadt Worms als Handlungsort für Ihren ersten historischen Roman „Die Feinde der Tuchhändlerin“ gewählt. Können Sie uns ein wenig darüber erzählen, wie die Idee zu diesem Setting entstand? Haben Sie einen besonderen Bezug zu dieser Stadt?

Worms habe ich zum ersten Mal als Kind besucht, und seither hat mich diese Stadt nicht mehr losgelassen. Wenn man heute durch die alten Gassen geht, spürt man Stein für Stein die Geschichte dieser faszinierenden Stadt. Ein wunderbarer Ort für meine Heldin, die Tuchhändlerin Constanze.


Ihr Buch spielt im Jahr 1231. Was fasziniert Sie am Hochmittelalter besonders?

Worms war für das Mittelalter von großer Bedeutung. Da Karl der Große im 9. Jahrhundert seinen Wintersitz in die Stadt verlegte, wurde Worms zu einem zentralen Ort der Karolinger und Salier. Otto der Große inthronisierte hier seinen siebenjährigen Sohn Otto II. Zwei Jahre später erklärte Heinrich IV. auf dem Reichstag zu Worms die Absetzung von Papst Gregor VII – und musste dafür seinen berühmten Bußgang nach Canossa antreten. Im 11. Jahrhundert entwickelten sich in Worms neben Mainz und Speyer bedeutende jüdische Gemeinden und Handelszentren: Da Juden kein Handwerk ausüben durften, es den Christen aber verboten war, Zinsen einzutreiben, waren die Juden die ersten Händler und machten diese Städte zu bedeutenden Handelzentren.. 1122 wurde der Investiturstreit durch das Wormser Konkordat aufgehoben, die Stadt wählte einen Stadtrat, der seine Bürger eigenständig vertreten konnte. 1184 räumte Staufer-Kaiser Friedrich Barbarossa der Stadt umfangreiche Freiheitsrechte ein und begründete damit die Reichsstadt Worms. Zu Beginn des 13. Jahrhunderts entstand das Nibelungenlied, das zum überwiegend am Hofe zu Worms spielt. Und schließlich verteidigte Martin Luther auf dem Reichstag zu Worms 1521 gegenüber Kaiser Karl V. seine 95 Thesen und machte damit die Stadt zu einem Zentrum des Gedankengutes der Reformation. Das sind nur ein paar Fakten. Ich fand die Geschichte dieser Stadt so faszinierend, dass immer mehr darüber las. Bevor ich meinen Roman zu schreiben begann, stand bereits fest, dass er in Worms spielen sollte. Meine Heldin Constanze sollte sich in dieser Welt als mutige und eigenwillige Frau, sozusagen als „moderne“ Heldin bewähren. Constanze geht ja sehr selbstbewusst ihren eigenen Weg und ist doch gegenüber ihrer Umwelt sehr umsichtig und sozial eingestellt.


Historische Romane zu schreiben, heißt auch immer intensiv Recherche zu betreiben. Was bedeutet Recherche für Sie - Vergnügen oder Pflicht?

Ich liebe Bibliotheken. In möglichst vielen Büchern zu stöbern und zu recherchieren - das ist eine große Freude für mich.


Wie versetzt man sich in eine Figur, die im 13. Jahrhundert lebte, agierte und fühlte?

Ich habe mit meinem Roman ganz bewusst kein Geschichtsbuch geschrieben. Selbstverständlich müssen die Fakten stimmen – aber mein Buch soll in erster Linie meine Lesern und Leserinnen gut unterhalten. Für mich steht an erster Stelle, dass die Charaktere in sich stimmig sind. Deshalb versuche ich mich, in die unterschiedlichen Figuren hineinzuversetzen und schildere dann, wie diese fühlen und agieren würden.


Sie verweben verschiedene Handlungsstränge miteinander. Wie behält man da als Autor die Übersicht über die Geschichte?

Selbstverständlich habe ich mir vor dem Schreiben ein Konzept überlegt. Die verschiedenen Handlungsstränge habe ich so angelegt, um eine komplexe Geschichte spannend zu erzählen.


Was ist es für ein Gefühl, wenn man seinen Debütroman endlich in Händen hält? Wie steinig war der Weg für Sie vom Manuskript bis zum fertigen Buch?

Es war wirklich toll, als ich nach über einem Jahr intensiven Schreibens das Paket vom Club Bertelsmann mit den Belegexemplaren öffnete und ich mein Buch - endlich - in den Händen hielt. Ich hatte großes Glück, dass der Club mein Buch als Premiere ausgesucht hat. Und ich habe ehrlich gesagt, diese einmalige Chance ergriffen, ohne lange zu überlegen. So ist mein Debüt als Club Premiere im Hardcover erschienen.


Was sind für Sie die wichtigsten Eigenschaften einer spannenden männlichen und weiblichen Romanfigur?

Mich muss der Charakter meiner Personen interessieren. Egal, ob sich dabei um Männer oder Frauen handelt. Dabei stelle ich mir immer meine potenziellen Leserinnen und Leser vor: Würden sie die Geschichte so gern weiterlesen oder nicht? Natürlich kann ich nicht ausschließen, dass mir meine Protagonisten in wesentlichen Punkten ähneln schließlich bin ich es, der ihnen Leben einhaucht.


Historische Romane mit deutschem Setting sind zurzeit sehr gefragt. Die Menschen interessieren sich wieder für "ihre" Geschichte. Was denken Sie, was diesen Trend ausgelöst hat?

Ich wollte einen historischen Roman schreiben, der in meiner Lieblingsstadt Worms spielt - unabhängig von modischen Trends.


Eine kleine fiktionale Frage: Wenn sie eine historische Persönlichkeit mittels einer Zeitmaschine kennenlernen könnten, wen würden Sie wählen?

Ich würde gern Martin Luther kennen lernen. Er führte nämlich eine vergleichsweise sehr moderne Ehe mit Katharina von Bora.


Können Sie uns etwas über zukünftige Projekte erzählen?

Ich schreibe an meinem zweiten historischen Roman, der in Bremen um 1365 spielt. Das ist die spannende Zeit des Zwistes zwischen Erzbischof, Rat und Volk, der in dem legendären Bannerlauf seinen Höhepunkt fand. Es gibt wieder eine weibliche Protagonistin, die kämpfen muss gegen Verrat und Intrigen. Aber auch sie findet schließlich ihren eigenen Weg.


Welches Buch liegt zurzeit auf Ihrem Nachttisch?

Da liegen zwei Bücher. Ich lese gerade "Der Junge im Schrank" von Senek Rosenblum. Ein Buch, das mich tief bewegt. Und danach wartet "Die Maurin" von Lea Korte auf mich.

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