Wormser Zeitung
17. Oktober 2010

Intrigen und eine starke Frau

Von Gunter Weigand

DEBÜT In Caren Benedikts Erstling spielt eine Wormser Tuchhändlerin die Hauptrolle

Worms im Jahre 1231: Als Marie, die Schwester der Tuchhändlerin Constanze, von einer Geschäftsreise nicht zurückkehrt, befürchtet Constanze, dass ihre Schwester einem Verbrechen zum Opfer gefallen ist. Doch das ist erst der Anfang, denn die Feinde der Tuchhändlerin haben sich verschworen, ihr Leben zu ruinieren. Constanzes Nachforschungen über den Verbleib ihrer Schwester bilden nur den Auftakt für Caren Benedikts Debütroman „Die Feinde der Tuchhändlerin“, den die Autorin bei ihrer vom Bertelsmann Club veranstalteten Lesung im Heylsschlösschen präsentierte. Sie sei ein bisschen nervös, gestand Caren Benedikt in ihrer Begrüßung, denn gleichzeitig sei die Vorstellung ihres Erstlingswerks auch die erste Lesung, bei der sie sich nicht die Bühne mit anderen Autoren teile.

Von allzu großer Nervosität war jedoch nichts zu spüren, als die Schriftstellerin das zahlreich erschienene Publikum mit einigen Passagen aus ihrem Roman ins mittelalterliche Worms entführte. Und dort muss die Tuchhändlerin Constanze so einiges durchmachen, denn selbst ohne intrigante Todfeinde ist es für eine Frau in dieser Zeit schwer, ihren eigenen Weg zu gehen.

Aber weshalb lässt eine Autorin aus Norddeutschland die Handlung ihres ersten historischen Romans ausgerechnet in Worms spielen? „Ich war als kleines Kind mit meinen Eltern in Worms und fand die Stadt schon damals faszinierend“, beantwortete Caren Benedikt die Frage von Club-Filialleiterin Petra Dorsam. Seitdem habe die Stadt mit ihrer reichhaltigen Geschichte sie nicht mehr losgelassen, erklärte die Autorin, und beim Erschaffen der Hauptfigur Constanze sei ihr klar geworden, dass die kämpferische Frau in Worms beheimate sein müsse.

Zum Schreiben kam Caren Benedikt durch ihre Großmutter. „Sie hat mir Geschichten vorgelesen, doch oft passte mir das Ende nicht“, gestand die Schriftstellerin. „Irgendwann habe ich dann selbst Geschichten erfunden und sie dann meiner Großmutter erzählt“. Doch erst durch ihre eigenen Kinder sei in ihr das Bedürfnis entstanden, eigene Romane zu schreiben. „Meine Romanfiguren müssen keine Helden sein“, beschreibt Caren Benedikt, wie sie ihre Charaktere entwirft. „Sie können ruhig einknicken, müssen dann aber auch wieder aufstehen und ihr Schicksal in die Hand nehmen“. Eigene schriftstellerische Vorbilder habe sie eigentlich nicht, beteuerte Caren Benedikt, doch natürlich habe sie auch einiges von Ken Follett gelesen, dessen historische Romane zu den Bestsellern zählen.

Dass Caren Benedikt tatsächlich von Worms fasziniert ist, kommt auch in ihren Zukunftsplänen zum Ausdruck. Zwar wird ihr nächster Roman in Bremen spielen, doch hat sie für das Buch danach wieder Worms in Visier: „Ich würde dann gerne das Judentum in Worms thematisieren“. Doch jetzt liegt ihr Fokus darauf, mit Lesungen auf die Geschichte der Tuchhändlerin Constanze aufmerksam zu machen.

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